EINE UNGEHALTENE REDE
[...] Welchen Sinn hat ein sinnloser Tod? Ich weiß es nicht. Vielleicht nur den einen: anders weiterzuleben. Mit mehr Mut und mehr Kraft, mit dem Gedanken daran, dass das Leben sehr kurz sein kann.
Mit dem Gedanken, dass wir im Leben nichts zu verlieren haben außer unserer Angst. Ich hoffe, dass ich mir diese Erkenntnis werde bewahren können.
Als ich vor zwei Wochen in Berlin war, habe ich zwischen Fotos von Jens auch ein Programmheft wiedergefunden, von einem Stück, das er vor sieben Jahren in Frankfurt getanzt hat und das mich mehr beeindruckt hat als alles andere, was er beruflich gemacht hat. Ein Zwei-Mann-Stück, eine Hommage an Hervé Guibert, einen französischen Schriftsteller, der im Alter von 36 Jahren an Aids gestorben ist.
In diesem Heft ist ein Foto von Jens zu sehen, auf dem er hoch in Luft springt wie ein Frosch und das mit einem Zitat von Borroughs unterlegt ist. Dieses Zitat geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf -genauso wenig wie das Bild- und ich möchte es uns allen zum Abschied mit auf den Weg geben.
Es lautet: Ich habe mit einem Knallfrosch ein Loch in die Zeit gesprengt. Mögen andere hindurchgehen. Ich wünsche mir so sehr, dass wir genau das tun werden. Dass wir uns von unserer Trauer nicht lähmen lassen.
Dass wir nicht länger verharren in Ohnmacht, in Sprachlosigkeit und Apathie. Ich wünsche mir, dass wir das Loch, das Jens´ Tod in unsere Zeit, in unser Leben gespürengt hat, nutzen werden, um hindurch zu gehen, um weiter zu tanzen, weiter zu LEBEN!!!
Ende Februar 2000
